Was ist sexuelle Prävention? Wie kannst du sexualisierter Gewalt und sexuellen Übergriffen entgegenwirken? Wissen schützt.
Auf Seiten von Schüler/innen hat eine ganzheitliche sexuelle Bildung eine starke präventive Wirkung. Effektiv ist zum Beispiel das Erlernen der korrekten Benennung von Körperteilen und die Einordnung in private „Zonen". Auch die Kompetenz, „nein" sagen zu können, ist von Bedeutung.
Darüber hinaus wirkt es präventiv, wenn Kinder lernen, dass auch Erwachsene Fehlverhalten zeigen, und wenn sie Vertrauenspersonen identifizieren sowie institutionalisierte Anlaufstellen kennenlernen. Hilfreiche Anlaufstellen sind zum Beispiel der Deutsche Kinderschutzbund und die Aidshilfe.
Zur Prävention sexualisierter Gewalt gehören auch Körperwissen und Zugang zu Intuition und Lust, also den eigenen Körper zu kennen und ihm zu vertrauen. Dazu ist kein gesonderter Bezug zu Sexualität notwendig. Zu thematisieren, was sich gut und was sich schlecht anfühlt, kann an beliebigen sinnlichen wie kognitiven Beispielen geübt und dann übertragen werden. Im Bereich des körperlichen Wissens und der körperlichen Kompetenz zeigen sich präventive Effekte durch Selbstverteidigung und Sportarten, bei denen man sich als stark und verteidigungsfähig erleben kann.
Auf kognitiver Ebene ist es wichtig, zu empowern, indem Kinder und Jugendliche über Rechte und Wege informiert sind und sich grundständiges Wissen aneignen. Dazu zählt, Gefahren zu kennen und Strategien zu entwickeln, für Face-to-Face- und für Online-Settings. Dabei gilt es, den schmalen Grat zwischen Aufklärung und Opferbeschuldigung (Victim-Blaming) zu koordinieren und stark statt schwach zu machen.
Soziale Fähigkeiten wie Trennungskompetenz, Beziehungsfähigkeit und soziale Aushandlungsprozesse zum Thema Konsens sind ebenfalls wirkungsvoll und ebnen einen bewussten Umgang mit den eigenen Grenzen und den Grenzen anderer.
„In welcher Welt möchte ich leben? In welcher Welt möchte ich, dass meine Schwester lebt? Wie kann ich dazu beitragen?"
Ansprechbar und aufmerksam sein und Strategien sowie Netzwerke parat haben. Für Erwachsene gilt: Es ist hilfreich, sich tiefgehend mit dem Thema auseinanderzusetzen und zum Beispiel zu verstehen, dass sexuelle Gewalt unterschiedslos auftritt, also quer durch Gesellschaft, Alter und Milieus. Die meisten Täter sind im Bekannten- oder Familienkreis.
Als erwachsene Person kannst du als Vertrauensperson deutlich machen, dass du immer ansprechbar bist, diskret sein kannst und eine vertrauensvolle Beziehung zu deinen Schüler/innen etablierst. Besonders effektiv ist es, wenn auch das soziale Umfeld, also Eltern und Gemeinde, einbezogen wird.
Viele Lehrkräfte und Menschen in sozialen Berufen fürchten, falsch zu handeln und hysterisch zu wirken. Übe daher, Zeichen zu lesen und ernst zu nehmen, und kenne Wege, wie du handeln kannst, ohne öffentlich zu diskreditieren. Eine besonders präventive Wirkung geht von einer integer vorgelebten Haltung aus: vorleben, dass Grenzen respektiert werden, für die eigenen Grenzen einstehen und sich von Scham nicht zurückhalten lassen. Prävention kann auch wirken, indem sie Täter anspricht, etwa über Angebote wie „Kein Täter werden".
Zur Prävention gehört, dass Institutionen und die Personen darin ausgebildet sind, ihrer Intuition zu folgen, entsprechende Anlaufstellen und das institutionelle Vorgehen kennen und so kompetent und handlungsfähig sind. Viele Institutionen haben dafür Schutzkonzepte oder entwickeln sie.
Schutzkonzepte werden im demokratischen Teilhabeprinzip mit Beteiligten aus verschiedenen hierarchischen Ebenen und Gruppen entwickelt und fortlaufend weitergedacht. Sie berücksichtigen Risiken und Schwachstellen ebenso wie Potenziale, Räumlichkeiten, Schulungen und Sensibilisierung, dazu Abläufe inklusive Verantwortungsbereichen, Notfallmanagement und Fehlerkultur. Für viele Institutionen sind Schutzkonzepte verpflichtend. Wirksam sind sie dann, wenn sie auch angewendet werden.
Ja, Gewalt und sexualisierte Gewalt gibt es auch an Schulen, zwischen Peers und zwischen verschiedenen hierarchischen Ebenen. Sie kann innerhalb des Kollegiums und unter Schüler/innen vorkommen, von der Schulleitung ausgehen oder zwischen Lehrkräften und Schüler/innen entstehen. Sexuelle Bildung hat immer viele Dimensionen, und eine ist zumeist reflexiv, betrifft also die vermittelnde Person selbst. Lehrkräfte können sich daher damit auseinandersetzen, wie sie selbst aufgeklärt wurden und wie sie die Institution erleben.
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